Liebe Schwestern und Brüder!
In der ersten Lesung aus dem Buch Jesaja werden wir überrascht. Gott spricht über den persischen König Kyrus. Gott bezeichnet diesen – obwohl er kein Jude ist – dennoch als den von ihm Erwählten und nennt ihn seinen „Gesalbten“ (hebräisch maschiach - also „Messias“). Kyrus ist der einzige nichtisraelitische Herrscher, den das Alte Testament ausdrücklich als den „Gesalbten“ Gottes bezeichnet. Gott zeigt hier, dass er sogar diesen mächtigen nichtjüdischen Herrscher als ein Werkzeug in seinem göttlichen Plan einsetzen kann. Kyrus wird das auserwählte Volk aus der babylonischen Gefangenschaft entlassen. Er wird sie sogar mit Mitteln ausstatten, damit sie den Tempel in Jerusalem wieder aufbauen können. Das ist eine bemerkenswerte Erinnerung daran, dass Gottes Wirken nicht an unsere Grenzen gebunden ist.
Im Evangelium hören wir die bekannte Klarstellung Jesu: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört.“ Er geht damit den fragenden Pharisäern nicht in die Falle. Er weist den Anspruch des Kaisers mit dem ersten Teil seiner Antwort nicht grundsätzlich zurück, setzt ihm aber zugleich im zweiten Teil eine klare Grenze: „Gebt Gott, was Gott gehört.“ Doch daraus lässt sich nicht einfach ableiten, dass Glaube und Politik, Kirche und gesellschaftliches Leben nichts miteinander zu tun hätten. So einfach macht es Jesus seinen damaligen Zuhörern und uns heute nicht!
Vielleicht hilft uns der Brief des Apostels Paulus, die doppelte Aufforderung Jesu besser zu verstehen. Paulus dankt der jungen Gemeinde – im heutigen Thessaloniki – für ihren Glauben. Bemerkenswert ist, dass er nicht in erster Linie ihre richtigen Überzeugungen lobt, sondern das, was durch ihren Glauben sichtbar wird. Glaube wird erkennbar in dem, was Menschen tun, in ihren Werken des Glaubens und der Liebe sowie in ihrer Standhaftigkeit in der Hoffnung.
Womöglich liegt darin eine wichtige Verbindung zu unserem eigenen Leben. Wir leben in einer Zeit, in der politische und gesellschaftliche Fragen uns unmittelbar beschäftigen. Wir haben Verantwortung als Bürgerinnen und Bürger, als Nachbarn, als Mitglieder unserer Gemeinde und als Menschen, die diese Gesellschaft mitgestalten. Christlicher Glaube bedeutet nicht, sich aus dieser Welt zurückzuziehen.
Jesus erinnert uns daran, dass Staat, Politik und gesellschaftliche Interessen nicht alles sind. Sie haben ihren wichtigen Platz – aber Gott gehört unser ganzes Leben.
Das könnte ein guter Prüfstein für uns sein: Woran ist unser Glaube zu erkennen? Nicht nur daran, was wir sonntags bekennen, sondern auch daran, wie wir miteinander umgehen, wofür und wie wir Verantwortung übernehmen und ob unsere Hoffnung auch in schwierigen Zeiten trägt.
Vielleicht müssen wir deshalb den bekannten Satz Jesu ein wenig anders hören: Nicht „Gott hier und die Welt dort“, sondern „Mitten in dieser Welt leben wir aus der Zugehörigkeit zu Gott.“
Und vielleicht ist genau das der Auftrag, den uns dieser Sonntag mitgibt – der Welt verantwortlich zu begegnen, ohne ihr das Letzte anzuvertrauen – und Gott zu geben, was ihm gehört: unser Vertrauen, unsere Hoffnung und unser Leben.
Ihr und Euer Diakon Ulrich Wachter