Liebe Schwestern und Brüder,
„Das Himmelreich gleicht einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.“ (Mt 22,2)
Mit diesen Worten führt uns das Evangelium nach Matthäus in das Gleichnis vom Hochzeitsmahl. Ein Fest ist vorbereitet, die Tische sind gedeckt, die Einladung ist ausgesprochen. Gott lädt uns ein – nicht zu einer Pflichtveranstaltung, sondern zu einem Fest der Gemeinschaft, der Freude und des Lebens.
In meiner Heimat Indien spielt die Gastfreundschaft eine besondere Rolle. Wenn eine Hochzeit gefeiert wird, ist es selbstverständlich, dass nicht nur die engsten Angehörigen eingeladen werden. Oft kommen viele Menschen zusammen. Es wird gemeinsam gegessen, gelacht, erzählt und gefeiert. Besonders schön finde ich dabei: Ein Gast soll sich nicht als Fremder fühlen, sondern als Teil der Familie. Das gemeinsame Mahl verbindet Menschen miteinander.
Dieses Bild hilft mir, das heutige Evangelium besser zu verstehen. Auch Gott bereitet für uns ein Fest und lädt uns an seinen Tisch. Seine Einladung richtet sich an alle Menschen. Bei Gott soll niemand ein Fremder bleiben.
Doch im Evangelium erleben wir auch, dass einige Eingeladene nicht kommen wollen. Sie haben anderes zu tun und andere Dinge sind ihnen wichtiger. Vielleicht kennen auch wir solche Situationen. Unser Alltag ist voll von Arbeit, Familie, Verpflichtungen und Sorgen. Manchmal bleibt für Gott, für das Gebet und für die Gemeinschaft der Kirche nur wenig Zeit.
Dabei erinnert uns Jesus: Gott wartet auf uns. Seine Einladung steht.
Als Priester, der aus Indien kommt und hier in Deutschland mit Ihnen unterwegs sein darf, erlebe ich immer wieder, wie unterschiedlich unsere Lebensgeschichten, Kulturen und Erfahrungen sind. Aber eines verbindet uns: Wir alle sind von Gott eingeladen. In seiner Kirche möchte Gott Menschen zusammenführen – unabhängig von Herkunft, Sprache, Alter oder Lebensgeschichte. Das Hochzeitsmahl erinnert uns auch an die Eucharistie. Wenn wir miteinander Gottesdienst feiern, kommen wir an den Tisch des Herrn. Dort sind wir nicht zuerst Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen, sondern Schwestern und Brüder in Christus. Wir empfangen seine Liebe und sind eingeladen, diese Liebe weiterzugeben. Am Ende des Gleichnisses hören wir jedoch auch die ernsten Worte über das Hochzeitsgewand. Es genügt nicht, nur eingeladen zu sein. Die Einladung Gottes möchte unser Leben verändern.
Das „Hochzeitsgewand“ kann für unseren Glauben, unsere Liebe, unsere Barmherzigkeit und unsere Bereitschaft stehen, nach dem Evangelium zu leben. Darum dürfen wir uns fragen: Wie antworte ich auf die Einladung Gottes? Bin ich bereit, mich von seiner Liebe berühren und verändern zu lassen? Bin ich bereit, andere Menschen willkommen zu heißen?
Gerade in unserer heutigen Zeit brauchen wir Orte, an denen Menschen erfahren: Du bist willkommen. Du gehörst dazu. Du bist eingeladen.
Möge unsere Pfarrgemeinde ein solcher Ort sein – ein Ort der Gemeinschaft, der Freude und der Hoffnung. Mögen wir die Einladung Gottes annehmen und selbst zu Menschen werden, die andere an den Tisch der Gemeinschaft einladen.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien Gottes reichen Segen und viele Momente der Freude und Gemeinschaft.
Ihr Kaplan Sobin Kuruvilla